ein weiteres Feature im Zuendfunk Generator des Bayerischen Rundfunks, von BR2
Quelle: The Return of Afrofuturism. Die Neuformulierung eines alten Begriffs
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Quelle: The Return of Afrofuturism. Die Neuformulierung eines alten Begriffs
Wenn einem auf der Landkarte des 21. Jahrhunderts plötzlich wieder weiße Flecken erscheinen. Auch deshalb interessant, da sowohl die linksautoritäre Regierung Venezuelas wie der Ölkonzern Exxon in den Disput involviert sind. Zudem wird ein vergessenes Kapitel kalifornischer Gegenkultur erzählt. In 1978 endete die Kommune San Francisco Peoples Temple im Grenzgebiet von Venezuela und Guyana in einem Massenselbstmord von hauptsächlich US-Amerikanern.
Quelle: When Jonestown was about a South American border dispute, not mass death – The Washington Post
Harry Lachner kommt in „1978 – Pop, Paranoia und Praxis“ ebenfalls auf dieses Ereignis zu sprechen. Hier die Wiedergabe der entsprechenden Stelle.
„Anfangs hatten die Hippies in den sechziger Jahren tatsächlich eine konfliktreiche Gegenkultur installiert. Doch spätestens mit den Morden der Manson Family 1969 war die Euphorie, war der Glaube an die Ideale von Peace, Love und Räucherstäbchen verflogen. Ein Teil dieser Gegenkultur war in seiner ganzen esoterischen Prägung anfällig für alle Formen einer spirituellen Sinnsuche, die in der imaginierten Geborgenheit einer Sekte endete.
In die flirrende Dschungelhitze mischte sich ein beißender Geruch. Kinder kuschelten sich an ihre Mütter, Familienmitglieder hielten einander an den Händen fest. Eng umschlungen lagen sie da, nebeneinander, übereinander, vereint bis zuletzt – bis in den Tod. Wie eine Müllhalde, auf die jemand Hunderte von Stoffpuppen geworfen habe, beschrieb ein Augenzeuge das fürchterliche Bild – nur, dass keine Puppen den Dschungelboden übersäten, sondern Leichen.
Dies sei kein Massenselbstmord, sondern ein revolutionärer Akt, predigte Sektenführer Jim Jones seiner Gemeinde, der „Peoples Temple of the Desciples of Christ“ – und überredete am 18. November 1978 mehr als 900 seiner Anhänger in ihrem Camp im südamerikanischen Guyana, den vorbereiteten Cocktail aus Limonade, Cyanid und Tranquilizern zu trinken. Unter den Opfern: 276 Kinder und Jugendliche. Kleinkindern wurde der Gift- Cocktail mit einer Einwegspritze in den Rachen verabreicht. Reverend Jim Jones wollte in diesem abgelegenen, von allen Seiten vom Dschungel umfassten Gebiet eine autarke Agrarkolonie mit Männern, Frauen und Kindern errichten, nachdem er mit seinen Sektenmitglieder zunächst aus Kalifornien geflohen war.
Er versammelte die vom Leben Gedemütigten, von Rassismus und Kapitalismus Angewiderten: vielfach Arbeitslose, Arme, Drogenabhängige, ein Drittel Kinder, ein Drittel Alte. Und 80 Prozent von ihnen schwarzer Hautfarbe, vereint in dem Wunsch nach einer gerechteren Welt ohne Diskriminierung, Ausbeutung und Bigotterie. Seine Fangemeinde störte es nicht, dass sich Jones zur Inkarnation Gottes erklärte und vorgab, Menschen von Krebsgeschwüren zu heilen und Tote zu erwecken. Er predigte Anti- Kapitalismus, Anti-Rassismus und einen brüderlichen Kommunismus, mit dem er vor allem verunsicherte, idealistische Twens aus der Mittelschicht ansprach.
In dieser Kolonie, die er Jonestown nannte, hatte der Reverend ein Terror-Regime installiert: mit Folter, Erpressungen, Vergewaltigungen, Isolationshaft. Die Situation wurde erst in der Öffentlichkeit bekannt, als zwei ehemalige Sektenmitglieder vor Gericht um ihren fünfjährigen Sohn kämpften, der noch immer bei Jones war. Der Kongressabgeordnete Leo Ryan nahm sich des Problems an und besuchte zusammen mit einigen Mitarbeitern und
Journalisten das Camp. Ryan bot den Sektenmitgliedern an, wer immer mit ihm in die USA zurückkehren wolle, könne am nächsten Tag mit ins Flugzeug steigen. Jones, wie alle Sektenführer in heiliger Paranoia begriffen, fürchtete, Leo Ryan würde später mit amerikanischen oder guyanischen Truppen zurückkommen, um die Gemeinde gewaltsam aufzulösen.
Auf dem Weg zur Landebahn wurden Ryan und drei Journalisten von Jones Wachleuten erschossen, acht verwundet. Die Konsequenzen dieses Vorfalls vor Augen, sprach Jones vor der versammelten Gemeinde – und überzeugte sie, dass es keinen anderen Ausweg mehr für sie geben könne. Es sei unmöglich, in der Sowjetunion Asyl zu beantragen. Alle – Männer, Frauen, Kinder – müssten sich töten. Der Tod sei diesem Leben allemal vorzuziehen. Damit sich seinem Befehl niemand widersetzen konnte, ließ Jones das Gelände von Wachen umstellen, die jeden, der fliehen wollte, erschossen.
Jones letzte Ansprache wurde auf Kassettenrecorder – von wem auch immer – aufgezeichnet. Man hört das Schreien derjenigen, die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollten. Man hört im Hintergrund die Schüsse, als diejenigen ermordet werden, die aus dem Camp fliehen wollten. Jim Jones selbst erschoss sich, nachdem mehr als 900 Leichen zu seinen Füßen lagen.
Es gibt kein anderes Leben außer dem, das einem bei der Geburt zustößt. Er hatte sie erlebt, jene von einer selbstvisionierten Spiritualität Heimgesuchten. Hippiejünger, die sich mit Herman Hesse-Büchern im Gepäck nach Indien aufmachten und ihr Bewusstsein dergestalt „erweiterten“, dass es einem schwarzen Loch glich. Natürlich war er schockiert von Jonestown. Noch mehr aber davon, wie die reaktionären Medien diese humane Katastrophe umdeuteten: als Zeichen des Scheiterns jeder Form von alternativer Lebensform. Die UdSSR-Fixierung von Jim Jones, der – wie sich später herausstellen sollte – in den 50er Jahren Verbindungen zur CIA geknüpft hatte, lieferte die Steilvorlage für eine Abrechnung mit jeder Kapitalismuskritik. Vor allem der studentischen.„
Eine Szene aus Charlottesville, USA, vom 13. August 2017 – Rassisten und white supremacists prügeln auf Deandre Harris ein, einen 20 Jahre alten Afroamerikaner
aus Stanley Kubricks 2001 , The Dawn of Man
und kürzlich dieses Bild hier gesehen, in der Zwischenwelt, Berlin, von Tatjana Doll
Schließlich hier eines der berühmesten Bilder Amerikas des 20. Jahrhunderts, The Soiling of Old Glory, eine Fotografie, aufgenommen von Stanley Forman während der Boston Busing Crisis 1976, ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize.
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