Susan Sontag grenzt Kunst in ihrem 1966 veröffentlichten Essay Against Interpretation als Erlebnis von einem durch Theorie (Intellekt) vermittelten Zugang zu Kunst ab. Hier, aber auch in On Style und anderen Essays, geht es ihr nicht zuletzt um das Problem der Rechtfertigung von Kunst. Die Tradition sieht die Existenz von Kunst stets dann als berechtigt, wenn diese über das bloße sinnliche Ereignis ihrer selbst hinaus weist, etwa in moralischer oder politischer Absicht. Um diesen Inhalt an dem Werk zu entziffern und gewissermaßen freizulegen, bedarf es freilich einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Form und Inhalt. Genau an diesem Punkt des traditionellen Kunstverständnisses erhebt Sontag ihren Einspruch, indem sie ein Denken des Ästhetischen zu entwickeln sucht, dessen Prämisse es ist, Form und Inhalt im Kunstwerk als unauflöslich verbunden und gewissermaßen wechselseitig aufeinander verweisend zu begreifen.