Tag: revolutionary politics

Bouchra Khalili, „Foreign Office“

Die Filminstallation Foreign Office der marrokanisch-französischen Künstlerin Bouchra Khalili führt zurück in die Jahre 1968 – 1972, als die algerische Hauptstadt Algiers zum Zentrum einer revolutionären Internationalen wurde. Von den verschiedenen Befreiungsbewegungen Afrikas bis zur Black Panther Party mit Eldridge Cleaver hatten diverse Organisationen hier, im Exil, im nach dem algerisch-französischen Kolonialkrieg unabhängigen Algerien, ein neues oder vorübergehendes Zuhause gefunden.

NEWS: Foreign Office und weitere Arbeiten sind von April bis Juni 2018 in Wien zu sehen, in der Secession

Hybrid Revolution: Protestmusik für das 21. Jahrhundert

Atlanta, London und New York, beide Seiten des Atlantiks, Post-Punk, Soul und Politik, all dies vermengen Franklin James Fisher, Ryan Mahan, Lee Tesche und Matt Tong als Algiers zu einem aufregenden Sound, dessen Wut und Protesthaltung sie dennoch, oder gerade deswegen, bereits auf die ganz großen Bühnen dieser Welt führte – als Vorband von Depeche Mode auf deren Global Spirit Tour.

Ihre Musik, die ganz bewusst verschiedene Musikformen und -traditionen mischt, und darin dem Ethos des Post-Punk treu bleibt, ist der vertonte Einspruch gegen die zahllosen Missstände und Ungerechtigkeiten eines Systems, eines globalen Kapitalismus, der einerseits kryptofaschistische und autoritäre Regierungen von Trump bis Erdogan hervorbringt wie es andererseits auf strukturellen Ausgrenzungs- und Ausbeutungsverhältnissen fußt, denen sich auch heute noch weite Teile der Weltbevölkerung ausgeliefert sehen. Franklin James Fisher selbst stammt aus Atlanta, aus dem Süden der USA, und nach wie vor existieren hier rassistische Strukturen, leben die Vorurteile gegenüber Schwarzen und Minderheiten weiter in den Köpfen vieler Weißer. So erzählen die Texte Algiers‘ von Unterdrückung, Rassismus und der Wut auf ein „Schweinesystem“, das an seiner Oberfläche die Teilhabe am Wohlstand für alle verspricht – und dessen Unterseite sich Algiers auf ihrem aktuellen Album The Underside Of Power widmen.

Das Album eröffnet ein Ausschnitt aus einer Rede Fred Hamptons, der in den Sechzigern, in den Jahren des Civil Rights Movements und der wachsenden Militanz, einer der charismatischsten Leader der Black Panther war, und der am 4. Dezember 1969 mit gerade einmal 21 Jahren von einem Sondereinsatzkommando des FBI erschossen wurde.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/9/94/Fred_Hampton.jpg

„But when I leave you remember I said, with the last words on my lips, I am a revolutionary. And you’re going to have to keep on saying that. You’re going to have to say that I am a proletariat. I am the people. I’m not the pig. You’ve got to make a distinction. And the people are going to have to attack the pig

But when I leave you remember I said, with the last words on my lips, I am a revolutionary.“

Algiers greifen so explizit die Tradition eines schwarzen Aktivismus auf und verkennen zugleich nicht, dass sie sich vor allem der symbolischen Kraft ihrer Musik und Performance bedienen, um auf das Elend der Welt aufmerksam zu machen. Doch lassen die Texte an Deutlichkeit in der Aussage kaum etwas im Unklaren, entsprechend heftig und intensiv wirkt die Musik mitunter, es ist eines dieser Alben, das als Ganzes eine Herausforderung an den Hörer stellt.

Live sind Algiers ebenfalls eine geballte Ladung Energie, die sich zwar aus Wut und Protest speist, aber zugleich vielschichtig und -stimmig erscheint, in einer hinreißenden Symbiose aus der Virtuosität der einzelnen Musiker und den Samples und Loops ihrer Maschinen.

Für ihre Konzerte arbeiten Algiers gerne mit lokalen Künstlern zusammen, die die Plakate entwerfen. Einige Exemplare habe ich hier einmal versammelt, manche sind auf den Konzerten oder online noch erhältlich.

Designs und Copyrights: Ryan Mowry, Hannes Hirche/Falk Schwalbe, Antonio Karaca/Petra Vrdoljak a.k.a. Radnja …

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