Am Anfang von A Brief History Of Seven Killings steht erstmal keine Erfindung, keine Fantasie des Autors, sondern ein historisches Ereignis. 1976 regierte in Jamaika die PNP (People’s Nationalist Party), deren Version eines demokratischen Sozialismus unter Michael Manley genügte, um inmitten des Kalten Krieges die Alarmglocken in Washington und bei seinen Verbündeten schrillen zu lassen. Der Wahlsieg der PNP von 1972 schien die Gefahr des Kommunismus auf der Insel, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Castros Kuba, immer realer werden zu lassen, zugleich entluden sich die Spannungen zwischen der PNP und der Opposition, angeführt von der JLP (Jamaica Labour Party) kurz vor den Wahlen Ende 1976 in immer neuen Gewaltausbrüchen, befeuert durch die jeweilige Anhängerschaft in den Ghettos von Kingston Town bzw. die Waffenimporte der CIA an die Opposition. Inmitten dieser eskalierenden politischen Lage ersann Bob Marley eine Demonstration für Frieden und die nationale Einheit Jamaicas – das so genannte Smile Jamaica Concert, das am 5. Dezember im National Heroes Park in Kingston Town stattfinden sollte. Zwei Tage vor dem Konzert kam es jedoch zu dem Attentat auf Bob Marley, als teils noch jugendliche Auftragskiller sein Haus stürmten und zu schiessen begannen. Dennoch stand Marley keine 48 Stunden später auf der Bühne im National Heroes Park, sichtbar verwundet.

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/516GDs5XKCL._SX323_BO1,204,203,200_.jpg

Diesen Anschlag auf Bob Marley nimmt Marlon James in seinem mit dem Man Booker Prize 2015 ausgezeichneten Roman zum Anlass, eine Geschichte globalen Ausmasses zu entwickeln, zwischen den Jahren der Unabhängigkeit Jamaicas und dem New York der Achtziger mit seinen Crackhöhlen – mining the past to make sense of the present.

Nicht zuletzt stellt James damit auch die Frage, inwieweit es noch berechtigt erscheint, heutige Emanzipationsbestrebungen weiterhin an nationalistische Diskurse zu knüpfen und inwiefern deren aktuelle Relevanz nicht längst von transnationalen Prozessen, von multinationalen Akteuren ausgehebelt ist. Form und Anlage des Romans legen es nahe, darin gerade nicht mehr eine zeitgemäße Antwort auf das stete Mehr weltweiter Ungleichheit und die Verschärfung lokaler wie globaler Krisen zu erblicken. Stattdessen entwirft James neue Formen und Inhalte minoritärer Literatur, spielt er mit der Ästhetisierung von Gewalt und Sexualität, erweitert er das Feld subalterner Identität und reichert seinen Roman um explizit homosexuelle Motive an.

James‘ excesses provide the substance of a critique of nationalism—specifically, the politics of nationalist sovereignty as they have been negotiated in Caribbean writing since the early twentieth century.

 

.